Heute will ich vom 10. Burkhard-Greifenhagen-Gedenklauf berichten, komme dabei aber nicht um ein Thema herum, was mich ziemlich wütend macht: dem Bau des Darwineums mitten im Barnstorfer Wald
Am vergangenem Sonntag standen Matze und ich, trotz der bis in die späte Nacht gefeierte Geburtstagsparty (von Matze, Nancy und Felix), trotzdem pünktlich auf und machten uns laufenderweise durch den Schnee auf in den Barnstorfer Wald, gawo schon seit 10 Jahren im Dezember der Burkhard-Greifenhagen-Gedenklauf stattfindet. Nur dieses Jahr waren wir uns noch gar nicht so sicher, wie die Strecke langgehen würde oder ob der Lauf überhaupt stattfinden würde.
Denn ein großer Teil des Waldes ist nun durch den Rostocker Zoo eingezäunt worden und wird wohl demnächst dem geplanten “Darwineum” zum Opfer fallen. Dazu wird wertvoller Wald abgeholzt und zubetoniert. Als wenn dass nicht schon schlimm genug wäre, betrifft es auch genau jenen Teil des Waldes, in dem viele Leistungs- und Freizeitsportler seit Jahren ihre Standard-Laufrunden absolvieren. Bis dort der Zaun vor ein paar Wochen hingesetzt wurde, war ich mir gar nicht bewusst, dass der Teil Wald bald nicht mehr kostenlos begehbar sein wird. Das Ganze macht mich schon irgendwie wütend und traurig zugleich. Wieso? Weil es hier in Rostock nicht viele Waldgebiete in der Stadt gibt, die man für Sport und Erholung nutzen kann. Der Barnstorfer Wald ist von den wenigen noch der Größte und wird von vielen Sportvereinen seit Jahren zum Training genutzt. Ich selbst nutze die Laufrunde durch den Wald schon seit ich damals mit Short Track begonnen habe, also seit 15 Jahren.
Sicher ist das Darwineum theoretisch eine tolle Sache, denn es beinhaltet unter anderem auch das neue Menschenaffenhaus, welches auch bitter nötig ist. Dennoch ist das Projekt von fast 27 Mio. Euro und der Zerstörung wertvollen Stadtwaldes etwas übertrieben. Ich möchte dass, die Menschenaffen ein artgerechtes Gehege bekommen und habe mich auch schon darauf gefreut, aber wird denn bei aller Tierliebe gar nicht an die Rostocker Bewohner gedacht? Der Vorschlag einer Über- oder Unterführung für die Erhaltung der Waldrunde zu schaffen wurde bereits als zu teuer abgewiesen… Am 17. Dezember findet ein Gesprächstermin zwischen dem Zoo, der Stadt und den Sportvereinen statt. Das dort eine vernünftige Lösung gefunden wird, bezweifel ich allerdings jetzt schon… Als ich mich erkundigt habe wann genau der Termin genau statt findet, wurde ganz verdutzt darauf reagiert, dass der Short Track Verein dem Termin auch beiwohnen will. Dabei gehört der Verein mit zu den erfolgreichsten in Rostock und absolviert sein Lauftraining auch dort. Weiterhin darf aus Platzmangel nur ein Vertreter pro Verein dabei sein. Ich hoffe nicht dass dort nachher nur 5 Leute sitzen… Ich bin mal gespannt was dabei herauskommt.
Nun mal wieder zurück zum eigentlichen Thema, dem Lauf!
Dieser konnte glücklicherweise doch noch (zum letzten Mal) auf der der gewohnten Runde stattfinden, da der Zoo gnädigerweise die Zauntore geöffnet hat. Da viel Schnee lag und ein schnelles Tempo unmöglich bzw. gefährlich gewesen wäre, entschieden Papa und ich uns die 9,6km-Runde ganz entspannt und langsam zu laufen. So liefen wir schnatternd und im Gänsemarsch durch die Trampelpfade im Schnee unsere 4 Runden. Nach etwa 56 Minuten waren wir im Ziel. Matze lief ebenso nur locker mit, war aber dennoch fast eine Viertel Stunde vor uns im Ziel.
Dort holten wir uns zur Belohnung unsere Lebkuchenherzen ab und liefen wieder nach Hause. So hatte ich immerhin am Sonntag morgen schon 14km geschafft
Hier noch das Video vom Lauf:
Am Dienstag machte Matze in seinem Laufkurs mal was ganz Neues. Sonst stehen ja immer Intervalle in verschiedensten Längen und Variationen an, von 200m bis 1000m mit Trabpausen, Intervallen in Staffelform auf der Bahn oder im Sommer auch mal die Crossrunde im Wald oder Pyramidenläufe. Dieses Mal gab es 100m-Sprints. Klingt nicht doll und eigentlich hatte ich die Erwartungshaltung dass es wohl lockerer werden würde als das Intervalltraining. Immerhin sind es nur 100m und man hat auch wieder ein paar Minütchen zur Erholung bevor es mit dem nächsten Lauf los geht… So kann man sich irren. Schon nach dem zweiten Sprint konnte ich spüren, dass ich seit Jahren keine Sprints mehr gemacht habe. Und die Schmerzen kamen nicht in den Beinen, sondern in den Armen und im Rücken. Die weiteren Läufe wurden zur Qual, weil meine Muskeln solche hastigen Bewegungen wohl nicht mehr gewohnt waren.
Immerhin, nach 7x100m war auch schon wieder alles vorbei. Zwei Tage hatte ich einen schönen Muskelkater in den hinteren Oberschenkeln und im Rücken, wobei ich am Mittwoch immerhin noch locker ein Stündchen gelaufen bin. Am Donnerstag war daran nicht zu denken. Heute geht alles schon wieder
Aber ich weiß jetzt: falls wir im nächsten Jahr wirklich den Läuferzehnkampf mitmachen, sollte ich solche Sprint-Trainingseinheiten noch öfter einbauen.
Siehe auch:
- sprintefix.de: 10. Burkhard-Greifenhagen-Gedenklauf
- sprintefix.de: Darwineum – Zaunbau im Barnstorfer Wald zerstört Naherholungsgebiet der Rostocker
- laufend-etwas-neues.de/: Sportler und Erholungsuchende werden aus dem Barnstorfer Wald verdrängt!
- rostock-heute.de: Darwineum -- ab 2012 im Rostocker Zoo









Von den Zoo-Plänen habe ich schon von Felix gehört. Wirklich ein Desaster für alle Läufer. Die Laufrunden in dem Teil des Barnstorfer Waldes sind so gut und in der näheren Umgebung nicht adäquat zu ersetzen. Ich wünsche euch, dass die Pläne noch zu Fall kommen. Mich selbst betrifft es ja nicht mehr. Aber ob die Politik auf ein paar Sportler hört …
Haben gerade folgende Idee gehabt:
)
Am Sonntag ist ja Nikolauslauf. Was haltet ihr davon, bei dem Lauf auf die Zerstörung des Waldes aufmerksam zu machen? Run4Haiti hatten wir ja im Winter gemacht. Wie wäre es, den Lauf mit extra bedruckten Shirts zu laufen, z.B. “Rettet den Barnstorfer Wald! Ein Platz für alle Rostocker und nicht nur für Affen!” Eventuell wäre auch so eine Art Startnummernzettel mit solch einem Spruch möglich (kann man ja dann mit Sicherheitsnadeln am Shirt befestigen).
Übrigens hat mir heute jemand in der S-Bahn auf dem Nachhauseweg eine Bild-Zeitung (les’ ich ja sonst nicht) überlassen, da mir dort RIESENGROSSE Lettern entgegenschlugen: “DARWINEUM DROHT DAS AUS!”.
Habe noch vergessen nachzufragen: Wer geht hin von Turbine? Arian? Weißt du auch, um welche Uhrzeit diese ominöse Gesprächsrunde ist? Oder wird diese (wegen zu erwartender Protestler) auch geheim gehalten?
Habt ihr mal beim zuständigen Ortsbeirat nachgefragt? Die haben die ganze Sache schließlich genehmigt. Also zumindest teilweise, denn, wenn ich Zoodirektor Nagel bei TV-Rostock richtig verstanden habe, kommen die Gelder komplett von der EU (weil Rostock keinen Cent bezahlen wollte, oder so) und der Wald gehört angeblich seit den 70er Jahren bis zum Friedhof dem Zoo. War nur nicht alles eingezäunt. Zwischen Friedhof und Jägerhütte sind doch auch noch verlassen aussehende und eingezäunte Zooreste.
Wie gesagt, bemüht mal den Ortsbeirat, vielleicht kann der ja noch was drehen, den Veranstaltungsort bekannt geben oder zumindest Teilnehmerplätze für die Gesprächsrunde organisieren.
Gruß Martin
@Martin Krause: Der Ortsbeirat (alles Vertreter des gesamten Parteienspektrums) haben das einstimmig abgenickt, warum auch immer (?) . Ist im Protokoll des Ortsbeirates (zu erhalten beim Rostocker Bürgerinformationssystem, so man das denn online findet (ist nämlich gut versteckt)) dokumentiert. Vertrauen zum Ortsbeirat (Vorsitz FDP) kann man also nicht haben. Dass die Gelder komplett von der EU kommen, ist absoluter Quatsch. Da hat Herr Nagel aber vielen Leuten Schlafsand in die Augen gestreut… 26,8 MIo Euro soll das Projekt vorläufig kosten (meist werden diese im Zuge der Baumaßnahmen noch erheblich teurer!), 22,2 Mio kommen von der EU, d.h. es bleibt ein erklecklicher Millionenbetrag übrig. Der Zoo schreibt rote Zahlen, Rostock steht schon fast unter Schweriner Zwangsverwaltung seiner hohen Schulden wegen. Der Zaunbau ist z.B. auch noch nicht einmal in den Kosten drinne, ebenso ein paar weitere Punkte, für die die klamme Hansestadt aufkommen soll, denn: der Zoo hat ja auch kein Geld! Der Barnstorfer Wald gehört keineswegs seit den 70er Jahren dem Zoo. Ihm wurde 1994, also erst nach der Wende, eine Erbpacht eingeräumt. Wäre dieser Fakt damals bekannt geworden, hätte es wahrscheinlich bereits damals einen Aufstand gegeben. Und wenn sich jemand auf Gewohnheitsrechte beruft, weil er mit (oder auch ohne Genehmigung) sich Lagerstätten dort gehalten hat, dann können auch die Läufer und Spaziergänger sich auf diese Gewohnheitsrechte berufen!
@Gudrun
Mmh, Nagel sagt hüh, die Läufer hot. Jetzt wär’s spannend mal nachzuprüfen, wer Recht hat. Müsste so was nicht im Gundbuch eingetragen werden? Weiß jemand wo und ob man das so einfach einsehen kann?
Wenn es wirklich Erbbaurecht = Erbpacht ist, dann gehört dem Zoo der Wald tatsächlich nicht, sondern er hat nur das Recht gekauft dort zu bauen. Das wäre dann natürlich ein starkes Stück. Ich bin bisher davon ausgegangen, dass der Zoo, so wie bei TV-Rostock berichtet, den Wald bis zum Friedhof besitzt. Dann könnte er nämlich fast machen, ohne dass ihm jemand reinreden kann. Einzig Naturschutzrecht könnte dann eventuelle Bauvorhaben noch stoppen.
@Martin Krause: Schon mal nachgefragt, ob die Baumfällaktionendes Zoos im Barnstorfer Wald rechtmäßig waren? Was sagt das Amt für Stadtgrün, Naturschutz und Landschaftspflege dazu? Haben leider nicht die Sendung von TV Rostock gesehen. Aber nach dem, was du so schreibst, scheinen dort einige Halb- und Unwahrheiten in die Welt gestreut worden zu sein. Mich würde z.B. auch interessieren, wie überhaupt 1994 eine Erbpacht zustande gekommen ist. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass schon damaks, in den Nachwendewirren, so einiges gemauschelt wurde. Habe mal im Geoportal der Hansstadt nachgesehen. Von einem rechtsgültigen B-Plan ist für dieses Gebiet nichts erkennbar… Oder ist einfach wegen diverser Befürchtungen dort nichts veröffentlicht?
Hallo,
war im Januar dort mit Sohn spazieren, weil fürs Fahrrad zu viel Schnee gab.
Wollten dann im Barnsorfer Wald die alt gewohnte Strecke hinter dem Zoo2 eine Runde drehen.
Plötzlich konnten wir nicht weitergehen, weil ein namenloser Zaun uns daran hinterte.
Einfach umgehen war auch nicht möglich, da auch in sämtlicher Sichtentfernung der Zaun keine Ende fand.
Zum Glück hatte der Zaun schon ein paar Löcher, so dass wir durch das abgesperrte “Grundstück” unseren Weg fortsetzen konnten.
Dummerweise war am anderen Ende keine Loch mehr, so dass wir durch Anheben des Zaunes den angehenden “Tier-KZ-Bereich” entfliehen konnten.
Was geht hier ab?
Ein Affenhaus auf Kosten von Naturvernichtung?
Wer sollte da noch einen Zoobesuch mit guten Gefühl für Tiere und Natur machen?
Aus meiner Sicht ist das das Aus für den Rostocker Zoo.
Gruss Gerard, Musiker.
@Gerard: Der Zoo ist für mich auch gestorben. Er verdient es nicht, dass man ihn mit Steuergeldern fördert. Ich hoffe, dass ihm bald die Besucher ausgehen. Es ist ein Riesenfrevel, welchen der Zoo hier veranstaltet. Für ein Prestigeobjekt von Herrn Nagel, für das ein verhaltensgestörter Gorilla als offizieller Grund herhalten muss, wird einheimischer Buchenwald vernichtet und die Rostocker Bevölkerung um ein Naherholungsgebiet gebracht.
Und ich gehe jede Wette ein, dass Assumbo den Umzug in das Darwineum nicht lange überleben wird, denn da er verhaltensgestört ist und sich nicht mit anderen Gorillas verträgt (so die offizielle Aussage von Herrn Nagel), können, so lange Assumbo da ist, keine anderen Gorillas das Areal bevölkern. Er hat dann im Sinne von Herrn Nagel seine Pflicht und Schuldigkeit getan (als Mitleidsobjekt die Begründung für das Darwineum gegeben) und kann dann gehen (Herr Nagel sprach im Bürgerforum wörtlich von Euthanasie…).