8. Mai 2011

20. Neubrandenburger Halbmarathon (LM)

Nach der nervenzerreißenden Hinfahrt stand der gestrige Halbmarathon in Neubrandenburg unter keinem guten Stern und auch sonst lief gestern so einiges schief, aber im Endeffekt wurde alles gut: ich hab’s endlich unter 1:40h geschafft! :-)

Die Hinfahrt

Gestern stand um 10:00Uhr in Neubrandenburg die Halbmarathon-Landesmeisterschaft an. Da wir Pino während des Halbmarathons nicht im warmen Auto lassen wollten, mussten wir ihn erstmals (deutlich) mehr als 5 Stunden Zuhause lassen. Unser Wecker klingelte also schon um kurz nach 5 Uhr, damit wir mit Pino noch ein halbes Stündchen in den Park gehen konnten. Dann schnell Sachen packen, frühstücken, Pino verpflegen und ab ins Auto. Ich durfte fahren. Um 7:30Uhr sammelten wir Gerlind, die auch am HM teilnehmen wollte, an der Schwimmhalle ein und machten uns auf den kürzesten Weg auf nach Neubrandenburg. Wie gesagt, den KÜRZESTEN über die Bundesstraßen und nicht den SCHNELLSTEN über die Autobahn. Wieso auch 40km mehr fahren, wenn man nur 5min spart? ;-) Leider war die B104 ab Teterow bis Malchin gesperrt und wir mussten einen ersten Umweg in Kauf nehmen… Matze wurde mit Blick auf das Navi, was uns als Zielzeit 9:38Uhr angab, schon nervös. Zwischenzeitlich konnten wir wieder ein paar Minuten rausholen, dann fuhr aber mal ein Landwirtschaftliches Nutzfahrzeug mit 40km/h auf der Landstraße vor uns, welches wir nicht überholen konnten, dann tuckerte mal ein DHL-Wagen gemütlich vor uns her. Unsere Nerven waren schon so am Ende und wir waren froh, als wir kurz vor Neubrandenburg waren. Dann die nächste Straßensperrung, eine Umleitung war nicht ausgeschildert und unser veraltetes Navi wollte uns Straßen entlang schicken, die es gar nicht gab. Durch eine Gartenanlage und ein Wohngebiet mit Tempo 30 kamen wir aber endlich wieder auf unsere geplante Route. “Nun kann aber wirklich nicht mehr schiefgehen”, scherzten wir, aber wir irrten uns, denn in Neubrandenburg angekommen staute es sich auf dem Friedrich-Engels-Ring. Nur noch 1km und wir kamen nur in Schrittgeschwindigkeit voran. Ein Glück kann man im Nachhinein sagen, denn wie aus dem Nichts rannte uns plötzlich ein kleines Reh vors Auto, aber ich kam noch rechtzeitig zum stehen, so dass wir es nur leicht streiften. Und so schnell wie es vor dem Auto war, war es auch schon wieder weg. Ich hab wirklich einen Schreck bekommen. Mir ist noch nie Wild vors Auto gesprungen und besonders in der Stadt habe ich mit sowas nicht gerechnet. Völlig gehetzt und nervös kamen wir 20 Minuten vor dem Start endlich am Parkplatz an.

Die Hetzerei vor dem Start

Wir schnappten nur schnell unsere Taschen und rannten in Richtung Umkleide, denn Sportsachen hatten wir noch nicht an. Lothar brachte uns zum Glück schon unsere Startnummern und Zeitnahmechips hinterher. Ich war so nervös und nervlich fertig, dass ich mich gar nicht auf den Lauf konzentrieren konnte. Matze, Gerlind, Anne-Kathrin (die auch erst kurz vor uns ankam) und ich hatten genug damit zu tun, uns bis zum Start umzuziehen und die Startnummern und Chips ranzupulen. Kaum war ich damit fertig, rannte ich zum Start, wo uns auch nur noch ein paar Minuten blieben. Mit Einlaufen war nix mehr und mit Einstimmung auf den Lauf auch nicht.

Der Lauf

Der Startschuss ertönte pünktlich und ich musste mich vor Aufregung, die aber noch der Hinfahrt und nicht dem Wettkampf verschuldet war, zusammenreißen nicht zu schnell zu beginnen, um mir das Adrenalin abzulaufen ;-) Meine Traumziel für diesen Wettkampf war es nicht nur eine Bestzeit zu laufen, sondern endlich unter die 1:40h-Marke zu kommen, wie weit oder nah darunter war mir eigentlich ziemlich egal, Hauptsache drunter. Fit genug müsste ich nach meinem letzten Wettkampf zu urteilen ja sein und die Strecke (10 Runden á ca. 2,1km) durch den Kulturpark ist sehr flach.

Ziel-Pace lag also bei 4:44min/km. Zu meinem Glück liefen gleich mehrere Leute dieses Tempo an, so dass ich mich sofort in einer Gruppe, die zumeist aus Neubrandenburger Männern, befand. Meine neue, wirklich schnelle, Vereinskameradin Anne-Kathrin Litzenberg lief dem restlichen Frauenfeld konkurrenzlos davon. Meine Konkurrenz war eher meine Teamkameradin Sabine Schrapers, die Neubrandenburgerin Kerstin Cools und Jana Bahlo vom Laufteam Rügen. Aber alle ließ ich mit Blick auf meine Uhr von dannen ziehen und hielt mich an mein eigenes Tempo. Laut meiner Uhr lief unsere Gruppe sehr konstant, immer in etwa 4:44 min/km, später auch 4:43 min/km. Die ersten fünf von zehn Runden vergingen wirklich schnell, denn wir wechselten in der Gruppe viel mit der Tempoarbeit ab und ich fühlte mich noch topfit. In der fünften Runde holte ich auch wieder Jana Bahlo ein, die nun Tempo rausnahm. Ab der Hälfte wurde unsere Gruppe Stück für Stück kleiner, bis mit mir nur noch 3-4 Läufer übrig waren. Unser Tempo war  gleichbleibend konstant bei 4:43 min/km laut Uhr. Die nächsten zwei Runden liefen auch noch recht flüssig und ich war durch den Pace, der genau im Rahmen lag, noch hochmotiviert dass ich es unter 1:40h schaffen könnte.  Auf den letzten 3-4 Runden schwand meine Motivation doch Stück für Stück, denn ich bemerkte auf der Zieluhr dass ich für jede Runde ziemlich genau 10min benötigte. Ich kam immer 15-20 Sekunden nach 50min, 1:00h, 1:10h usw. an, und dass obwohl mein Forerunner mir sogar dauerhaft einen schnelleren Pace als für sub1:40h nötig anzeigte. Da kam ich wirklich ins Grübeln, denn zwar starteten wir auch 250m vor der Ziellinie, aber trotzdem müsste ich mit dem schnelleren Pace dann doch mal Zeit rauslaufen. Das geschah aber nicht. Laut meines Forerunners war eine Runde 2,1km lang, so dass die 250m zusätzlich gar nicht nötig gewesen wären. Der Gedanke, dass die Strecke zu lang sein könnte und ich für mein Zeitziel noch viel schneller werden müsste, zermürbte mich. Zudem wurde es immer wärmer und mein Mund immer trockener. Als dann mein Mitläufer zu mir sagte “Unter 1:40h können wir noch schaffen,… obwohl: eher nicht…” war es dann mit meiner Motivation ganz am Ende. Dass ich die Zielzeit trotz guten Tempos wohl nicht mehr schaffen würde, ließ kurzzeitig schon Gedanken von Ausstieg aufkeimen. Wozu die ganze Qual, wenn ich am Ende eh langsamer bin und mein Ziel eh nicht erreiche und dann unzufrieden bin? Ich riss mich aber zusammen und sagte mir: “Drei Runden vor Schluss hörst du nicht mehr auf, wie blöd wäre das? Du würdest dich ärgern, dass du abgebrochen hast. Wenigstens durchlaufen, auch wenn es mit der Zeit nicht mehr klappt”…

Nach der 7. Runde ging ich erstmals am Getränkestand und trank in Ruhe mein Wasser, denn während des Laufens ist davon kaum was in meinem Mund gelandet. Leider waren durch diese Pause meine Mitstreiter nun weit vor mir. Ich wollte lockerer machen, doch meine Uhr zeigte immer noch 4:43min/km, was mich doch sehr irritierte, aber auch teilweise weiter motivierte, es vielleicht doch noch schaffen zu können. Am Ende der 7. Runde sah ich Matze schon im Ziel, der mir während meiner Getränkepause sagte, ich sollte einfach zu Ende laufen, ihm wäre es auch zu warm gewesen für Topleistungen. Ich nahm es mir zu Herzen und wollte wieder locker machen, aber trotz Getränkepause und “lockeren” Tempos zeigte meine Uhr immer noch 4:43min/km an!?? Ich verstand es nicht, lief aber weiter so gut wie es eben nur ging. Zu Beginn der (endlich) letzten Runde machte ich noch eine ausgiebige Getränkepause mit jeweils einem Becher Wasser und Cola und ging noch ein paar Meter weiter. Ich war wirklich platt. Nur noch eine Runde. Zusammenreißen. Ich würde wohl knapp über 1:40h ankommen, egal, dafür bald im Ziel. Auf den letzten etwa 400m schaute ich auf meinen Forerunner: 1:38h. Sekunden zeigte er mir nicht an. Aber plötzlich flammte meine Motivation wieder voll auf: wenn ich mich zusammenreiße, reicht es vielleicht doch noch!! Ich gab also noch mal alles und rannte so schnell wie ich es mir noch abquälen konnte. Dann sah ich die Zieluhr: 1:39:5?. Die letzte Sekunde war verdeckt. Ich gab noch mehr Gas und hoffte inständig, dass die Minute nicht umschaltete bevor ich die Ziellinie erreichen würde. Kurz vor der Zielmatte sah ich die Uhr: 1:39:56h. Das reicht noch und ich rannte erleichtert durchs Ziel. Ich war wirklich glücklich, dass sich die Quälerei am Ende höchstwahrscheinlich gelohnt hatte. Auf die offizielle Zeit musste ich noch warten :-)

Nach dem Lauf

Nach dem Lauf erfuhr ich, dass ich vierte Frau wurde. Klingt wie ein undankbarer Platz, vor allem, weil die beiden Frauen vor mir höchstens eine Minute Vorsprung hatten, aber das hätte ich am Ende auch nicht mehr rausholen können. Ich habe meine Zeit geschafft, das war alles was zählte :-) Gewonnen hat Anne-Kathrin Litzenberg aus unserem Verein, die eine wahnsinnig gute 1:29:04h lief und mich damit auch überrundete. Zweite wurde Sabine Schrapers mit 1:37:56h und Dritte wurde Kerstin Cools mit 1:39.26h. Herzlichen Glückwunsch! :-)

Matze war nicht besonders zufrieden mit seinem 2. Platz in 1:15:20h. Nicht nur dass er vom Sieger, dem Triatlethen Sebastian Rank, der Streckenrekord mit 1:06:48h lief, überrundet wurde, sondern hatte er auch mit der Wärme und Bauchmuskelkrämpfen zu kämpfen, so dass er auch eine Gehpause einlegen musste :-(

Übrigens fand ich auch heraus, warum ich trotz Gehpause so super-konstantes Tempo gelaufen bin: da wir am Dienstag 1000m-Intervalle liefen und dazu die Auto-Runde von 1km an der Uhr ausstellte, zeigte mir mein Forerunner nicht den Pace meines aktuellen Kilometers an, sondern den gesamten Durchschnittspace… Doof :roll:

Nach dem Duschen warteten wir nun alle auf die Siegerehrung. Aber bei so einem Start in den Tag, wie wir ihn hatten, geht natürlich auch die nicht glatt. Irgendwie gab es wohl Probleme mit der Zeitmessung und so schnell konnten sie die Zeiten nicht wieder aufbringen. Toll: ich quäle mich und dann sind die Zeiten weg? Das wäre wirklich blöd :-( Die Siegerehrung verschob sich also noch, was uns eigentlich gar nicht passte, weil Pino ja Zuhause auf uns wartete. Nachdem per Hand die ersten Platzierungen ausgewertet wurde, ging es dann auch endlich los: zwar durcheinander und ohne Urkunden und Zeiten, aber immerhin konnten wir dann bald wieder nach Hause zu Pino, der uns sicherlich schon vermisste. Außerdem schmiss mein Papa ab nachmittags noch eine Geburtstagsfeier zu seinem 50. Geburtstag heute (es wurde reingefeiert), wo wir natürlich auch nicht all zu spät auftauchen wollten. Happy Birthday, Papa! :-)

Die Rückfahrt lief dann aber glatt und Pino ging es Zuhause auch gut. Und noch mal das wichtigste: abends waren dann auch endlich die Ergebnisse online und meine offizielle Zielzeit lautet: 1:39:58h und ich wurde Vize-Landesmeisterin in meiner Altersklasse :-)  Ende gut, alles gut.

Siehe auch:

4




  1. Steffen schrieb am 9. Mai 2011 um 10:25:

    Kurz und bündig:
    Hammer und HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH!

    Ein sprachloser
    Steffen

  2. Juliane schrieb am 9. Mai 2011 um 12:02:

    Super Jana, das hast du echt toll hinbekommen, ich freu mich für dich!!! Und einen schönen Bericht hast du auch geschrieben, ich war echt am Mitfiebern…
    LG, Juliane

  3. 30. Halbmarathon im Kulturpark Neubrandenburg (LM & LC) | Grit ist fit schrieb am 9. Mai 2011 um 19:19:

    [...] Berichte gibt’s bei Jana und Matze. Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, Wettkämpfe abgelegt und mit Formkurve, [...]

  4. Nagetier schrieb am 14. Mai 2011 um 20:50:

    Manchmal gar nicht so schlecht, wenn man einfach nach Gefühl läuft. Glückwunsch zur wirklich konstanten Leistung. Liest sich wirklich gut. Die Kerstin schnappste Dir beim nächsten Mal.